Laufende Untersuchung
Offene Fragen
Ein ehrliches Buch sagt, was es nicht weiß. Dies sind die Fragen, die noch offen sind — mit der Beweislage auf beiden Seiten, nicht mit einer Behauptung. Wer zu einer von ihnen etwas beitragen kann, ist eingeladen zu schreiben; jede geschlossene Frage wird hier vermerkt, mit dem Datum und der Akte, die sie geschlossen hat.
T1 Primärakte T2 gedruckte Forschung T3 abgeleiteter Stammbaum Q Quarantäne
Wann starb Marie-Gertrude?
● Offen · höchste Priorität
Dies ist die letzte große Lücke des Buches. Sie lässt sich auf ein Fenster von dreizehn Monaten eingrenzen — aber nicht weiter, denn genau für diese Jahre fehlen die Register.
Sie lebte
Am 17. November 1713 trug der Pfarrer von Grand’Han die Taufe ihrer Zwillinge ein und nannte sie namentlich als Mutter. T1
Sie war tot
In einer Quittung, die ihr zweiter Mann 1714 unterschrieb, heißt sie bereits feu ma femme — meine verstorbene Frau. T1
Zwischen diesen beiden Daten liegt kein einziges Blatt. Die Sterberegister von Grand’Han fehlen für die Jahre 1709–1714 — das Fehlen erklärt sich also, statt verdächtig zu sein: ein Tod in diesem Fenster würde genau die Leere hinterlassen, die wir vorfinden.
Was die Frage schließen könnte:
- Der fehlende Monat auf der Quittung von 1714 (Bl. 0203), in der ihr zweiter Mann sie feu ma femme nennt. Das Blatt ist eine kollationierte Abschrift; das Datum lautet „le 4 de l’an 1714“ — ohne Monat, denn die Abschrift enthält ihn nicht. Das Original vor dem Notar des Rats zu Luxemburg trägt ihn. Bis dahin heißt 1714 irgendein Punkt dieses Jahres, nicht notwendig 1713. T1
- Die Vormundschaftsrechnungen cote 10 in Arlon, die sechsundzwanzig Jahre für ihre Töchter geführt wurden: ihre An- oder Abwesenheit darin wäre, in die eine oder andere Richtung, entscheidend. T1
- Der Prozess von 1726 um das Testament ihres zweiten Mannes — Grand Conseil de Malines, cote 283 (Reproduktion bestellt). T1
Das Buch nennt kein Datum, sondern das Fenster. Eine Spur — eine Marie-Barbe Hermani, begraben am 24. November 1713 zu Grand’Han, eine Woche nach den Zwillingen — wird geprüft, aber nicht als gesichert behandelt: der Vorname Barbe steht nicht unter ihren Taufnamen, und in den rund 330 Blättern ihres eigenen Nachlassdossiers kommt der Name Barbe kein einziges Mal vor. Die zugehörige Sterbeurkunde ist verloren; nur die Index-Tabelle bleibt. Bis ein Register es trägt, bleibt das Datum eine ehrliche Leerstelle.
Wie sah das Wappen der Piret de Sainte-Ode aus?
● Offen
Das Wappen von Marie-Gertrudes erstem Mann ist beschrieben, aber nirgends gesichert dargestellt — und das ist eine merkwürdige Geschichte.
- Beschrieben, 1957: „d’argent à l’arbre de sinople, sa racine chargée et accompagnée en chef d’un tourteau de gueules“ — in Silber ein grüner Baum, die Wurzel bezeichnet, darüber ein roter Ball. T2 · Le Guetteur wallon, 1957. Möglicherweise ein OCR-Fehler (chargée für arrachée).
- Ungezeichnet, 1928: Auf der Wappentafel des 18. Jahrhunderts, die Pellmann abbildet, ist der Piret-Schild ausdrücklich nicht ausgezeichnet geblieben — die Familie selbst zeichnete ihn nicht. T1 (Pellmann, S. 56–57, Nr. 15).
- Nicht in de Raadt, geprüft Juli 2026: Die von Pellmann angeführte Stelle (Sceaux armoriés III) enthält an den betreffenden Seiten kein Wappen der Sainte-Oder Piret, sondern die Lehnserklärung von 1681 und die Wappen des Schwagers Gérard Bruneau.
- Ein Siegel — der Baum ist da. Gefunden Juli 2026: Auf Bl. 0243 (cote 8) sitzt ein rotes Wachssiegel, ein Allianzwappen unter einer Krone — auf einem Dokument der Suzanne-Françoise de Freins née de Piret, gesiegelt zu Sainte-Ode im Februar 1720. T1 Der rechte, nach heraldischer Sitte der Frau zustehende Schild trägt deutlich einen Baum — die tragende Figur der Beschreibung von 1957. Damit ist der Baum im Piret-Wappen erstmals an einer primären Quelle belegt, im roten Wachs der Familie selbst. Was noch aussteht: die genaue Blasonierung durch einen Heraldiker (der linke, de-Freins-Schild zur Bestätigung der Zuordnung) und die Farben, die ein Siegel nicht zeigt.
- Die endgültige Quelle, noch nicht eingesehen: der Adelsbrief von 1648 (ANLux, registres aux patentes, Bd. 3, fol. 127) — ein Adelspatent blasoniert und zeichnet die Wappen, die es verleiht. Reiseziel.
Der Baum, an der Wurzel bezeichnet, gibt dem zweiten Band den Namen — Die dunkle Wurzel. Dass die Familie ihn auf ihrer eigenen Tafel ungezeichnet ließ, ist die bessere Geschichte, nicht die schlechtere.
Wo ist das Original des Ehevertrags von 1701?
● Offen
Der Vertrag vom 3. November 1701 überliefert sich nur in einer notariellen Abschrift. In cote 8 trägt ein Umschlag (Bl. 0041) die Aufschrift „Extraict du Contract de mariage … Du 3 novembre 1701“ — sein Inhalt ist jedoch der Ehevertrag von 1678. Das Original ist dort nicht.
Bester Verdacht: Landesarchiv NRW Duisburg, Familienarchiv Hertmanni RW 1097, in dem auch der Ehevertrag Hertmanni/Heister von 1672 liegen soll. Ein Haus, das seinen Vertrag von 1672 aufbewahrte, bewahrte auch den von 1701. Reiseziel.